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Nachhaltigkeit auf Friedhöfen

Jeder Friedhofsträger nimmt für sich in Anspruch, seinen Friedhof nachhaltig zu führen. Was darunter verstanden wird, ist vermutlich sehr verschieden. Das Verständnis von dem, was Nachhaltigkeit meint, ist aber nicht beliebig. Soziale, wirtschaftliche und ökologische Anforderungen müssen bei nachhaltigem Verhalten so zu ihrem Recht kommen, dass betroffene Menschen heute und in Zukunft, lokal und global nicht an einem guten Leben gehindert werden. Das ist ein sehr hoher Anspruch, vor dem man schnell kapitulieren könnte. Außerdem scheint das sehr anthropozentrisch zu sein, also nur darum zu gehen, was dem Menschen diente. Wo bleibt da das Recht der Schöpfung?

Beide Einwände sind berechtigt: Ein unrealistischer Anspruch kann entlastend sein, nach dem Motto, kein Mensch könne ihn erfüllen, dann brauche man sich auch nicht weiter damit auseinander zu setzen. Das könnte so weit gehen, dass sich durch das Fehlverhalten anderer eigenes Fehlverhalten entschuldigen ließe. Am Ende stünde die komplette Verantwortungslosigkeit bei reinem Gewissen. Bei Nachhaltigkeit geht es aber niemals um ganz oder gar nicht, sondern immer um kluges und verantwortungsbewusstes Abwägen. Das setzt einen geschärften Blick für alle Aspekte der Nachhaltigkeit voraus und ein Bekenntnis zur bleibenden Unvollkommenheit.

Der zweite Einwand, wenn es nur um Menschen gehe, kämen doch die anderen Geschöpfe erfahrungsgemäß nicht zu ihrem Recht, sondern eher unter die Räder, kann für unseren „Friedhofsfall“ auch entschärft werden. Indem wir uns bei der Nachhaltigkeit auf das gute Leben der Menschen beziehen, werden wir auf Friedhöfen nur sehr geringe Konkurrenzen zwischen den Ansprüchen anderer Lebewesen und denen von Menschen entdecken. Dabei kann man an die Wildkräuter in den Fugen des Plattenweges, an pflanzenfressende Insekten oder z. B. an die Kaninchenplage auf dem ev.-luth. Friedhof auf Borkum denken. In solchen Fällen ist unsere Intelligenz herausgefordert, den kulturell geprägten Raum so zu bewirtschaften, dass er seine Funktionen für den Menschen erfüllen kann, ohne dass das vernichtende Folgen für andere Arten haben müsste. Wer aber meinte, er könne heute noch gutes Leben für Menschen jetzt und in Zukunft erhalten, indem er die Ansprüche anderer Lebewesen negierte, der ignorierte die Funktionsweise des Ökosystems oder, mit anderen Worten, der ignorierte die Weisheit des Schöpfers.

Die Ansprüche der Nachhaltigkeit für die Träger von Friedhöfen umfassen mindestens:

Soziale Aspekte

  • Unterschiedliche Bestattungskulturen realisieren können
  • Menschen in unterschiedlichen sozialen Kontexten Bestattungsort, Trauerort und Aufenthaltsort anbieten und für kirchliche Friedhöfe Verkündigungsort sein
  • Gute Arbeit und guter Lohn für Friedhofsbeschäftigte

Ökonomische Aspekte

  • Bezahlbare Gebührenforderungen dank klugen Wirtschaftens
  • Ausreichende Nachfrage nach Grabflächen dank guter Angebote
  • Auskömmliche Gebühreneinnahmen für langfristigen Erhalt der Friedhofsfunktionen

Ökologische Aspekte

  • Der bedrohten biologischen Vielfalt ein Regenerationsraum sein: besonders für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, Biotope langfristig anbieten
  • Allgemeinen Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes gerecht werden

Das alles kann niemand allein realisieren. Dafür bedarf es einer starken Zusammenarbeit von Friedhofsleuten mit unterschiedlichen Begabungen. Deswegen braucht man den VFD.

Reinhard Benhöfer
Umweltreferent der Landeskirche Hannover
Mitglied im VFD