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Friedhöfe neu denken

Unsere Friedhöfe befinden sich in einem umfangreichen Veränderungsprozess. Wandelnde Normen und Werte, erhöhte Mobilität der Gesellschaft, dezentrale Familienstrukturen, Sorge um die Pflege sowie alternative Beisetzungsformen und soziale Netzwerke haben Alternativen geschaffen und lassen diese einst für viele Menschen selbstverständlichen Orte der Trauer und Beisetzung heute oftmals als nicht mehr notwendig erscheinen. „Friedhöfe müssen deshalb umfassend analysiert und neu gedacht werden“, sagt Günter Czasny von der Kunstgießerei Strassacker.

Er bezieht sich auf wissenschaftliche Studien, deren Ergebnisse deutlich machten, dass es einer differenzierten Betrachtung bei der Gestaltung von Friedhöfen und der dort üblichen Vorschriften, speziell auch im Umgang mit anonymen oder halbanonymen Grabformen, bedürfe. Eine wesentliche Erkenntnis bestehe darin, dass für den Umgang mit Trauer, deren Verortung für die meisten Menschen notwendig und wichtig sei, „die Bedürfnisse von Trauernden müssen deshalb im Zentrum einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung von Friedhöfen stehen“, fordert Czasny.

Dabei kommen ihm zufolge Beisetzungsformen und -orten eine hohe Bedeutung zu, die individuelle und selbst bestimmte Handlungen sowie persönliche Rituale direkt am Beisetzungsort ermöglichen und so die psychologische Bedeutung des Beisetzungsortes als Trauerort berücksichtigen. Es gilt daher, die Gesellschaft zu unterstützen, sich intensiver mit den Themen »Trauer und Abschiednehmen« und deren Bedeutung für die Hinterbliebenen im positiven Sinne auseinanderzusetzen.

In Gesprächen innerhalb der Familien, wenn es um die Beisetzung gehe, dürfe, so Czasny, der Fokus nicht nur darauf liegen, den Angehörigen nicht mehr zur Last fallen zu wollen, sondern darauf, den Hinterbliebenen vor dem Hintergrund der neusten Erkenntnisse aus der Trauerforschung einen heilsamen, guten Ort zur Trauerbewältigung zu hinterlassen.

„So kann ein neues Bewusstsein entstehen, dass ein individuell gestalteter Trauerort, der ganz persönliche Trauerhandlungen und -rituale zulässt, für die Verarbeitung der Trauer und das Abschiednehmen hilfreich ist.“ Friedhöfe, die diese grundlegenden psychologischen Funktionen eines Beisetzungsortes berücksichtigten und somit die Therapiefunktion erfüllten, könnten als unersetzlicher Raum für Trauer in der Gesellschaft verankert und etabliert werden, schlussfolgert Czasny. „Die so gestalteten Friedhöfe erhalten dadurch die Chance, als sozialer und fürsorglich geprägter Ort eine neue Bedeutung, eine neue Akzeptanz und Wertschätzung zu bekommen“, sagt er.

Für ihn steht fest: Nur wenn Erfahrungen unterschiedlichster Kompetenzbereiche, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt werden, ist die Grundlage für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung von Friedhöfen gesichert. Dazu bedarf es der Sensibilisierung aller am Friedhof Verantwortlichen, die an der Friedhofsentwicklung mitwirken und dazu beitragen wollen, Friedhof neu zu denken und durch gute Beispiele in der Öffentlichkeit sichtbar werden zu lassen.

„Um hier aktiv und positiv mitwirken zu können, ist es grundlegend wichtig, über Entwicklungen auf unseren Friedhöfen, deren Hintergründe, Ursachen und Auswirkungen für die Zukunft bestmöglich informiert zu sein“, sagt Czasny und schlägt den Bogen zum VFD: „Als bundesweit organisierter Verband bietet er seinen Mitgliedern sehr gute Möglichkeiten, um umfassende Informationen, wichtige Erkenntnisse und aktuelles Wissen zu erhalten, das für die tägliche Arbeit und für eine erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Friedhöfe notwendig ist.“

Günter Czasny
Stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Ernst Strassacker
Mitglied im VFD