Distanz, Disziplin, Demut

2020 war ein Jahr, wie wir es noch nie erlebt haben, das einem beruflich wie privat viel abverlangt hat. Ein paar Gedanken dazu.

„Der Friedhof in Corona-Zeiten erscheint manchmal wie eine Insel“, sagt Michael Albrecht,  Friedhofsberater und Sachverständiger und im Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands (VFD) Referent für Öffentlichkeitsarbeit.  Bestattungen fänden weiterhin statt, die Nutzungsberechtigten kümmerten sich um ihre Gräber, die Rahmenpflege werde wie bisher durchgeführt. Doch „außerhalb des Friedhofs ist das öffentliche Leben heruntergefahren“. Das Jahr 2020 war anders als jedes davor. Corona stellte alle vor große Herausforderungen, beruflich wie privat – und natürlich auch im Ehrenamt. Das Verbandsleben wurde erst mal ausgebremst. Da halfen auch E-Mail-Verkehr, WhatsApp-Gruppe und Videokonferenzen nicht. „Aufgrund der Pandemie konnte vieles nicht stattfinden“, bedauert Schatzmeister Wolfgang Bartelt. Nichtsdestotrotz startete der VFD im Oktober seine Kampagne, ging mit einer neuen Website an den Start, mit neuen Werbematerialien – und hohen Zielen in Hinblick auf die künftige Verbandsarbeit. „Ich wünsche mir positive Ergebnisse aus der ganzen Aktion und einen Mitgliederzuwachs“, sagt Bartelt. Auch seine Vorstandskollegen haben das Jahr Revue passieren lassen und teilen ihre Gedanken nun mit den Lesern der Friedhofskultur.

2020 war das Jahr der großen Herausforderungen. Stürme, Hitze und Dürre kannten wir ja schon aus den vergangenen Jahren und haben versucht uns darauf einzustellen. Was neu hinzukam,  waren die Erfahrungen mit Covid-19, die das gesamte öffentliche Leben nachhaltig veränderten. Distanz, Disziplin und Demut wird wahrscheinlich auch im Jahr 2021 der Schlüssel sein, um diese Krise weiterhin zu meistern. Also passen Sie auf sich auf!

Uwe Brinkmann, Leiter und Verwalter des Evangelischen Friedhofes Essen Frintrop-Dellwig-Gerschede, stellvertretender Vorsitzender 

2020 war ein sehr außergewöhnliches. Als Leiter eines kommunalen Eigenbetriebes stand  die Gesundheit von über 50 Mitarbeitern sowie Aufrechterhaltung der betrieblichen Abläufe und Aufgaben im Vordergrund. Trotz ständig strenger werdender Verordnungen haben wir auf unseren Friedhöfen nie eine Beisetzung absagen oder verschieben müssen. Eine Imagekampagne in Corona-Zeiten zu starten ist eine Entscheidung, die sich unser Verband nicht leicht gemacht hat. Veranstaltungen fallen aus und die direkte Kommunikation wird erschwert. Außerdem hatten die Mitglieder mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. Wir haben es trotzdem gewagt. Das Feedback der Mitglieder war durchweg positiv. Für 2021 wünsche ich mir aktive Regionalgruppen, die von Corona-Zwängen befreit, wieder in den Austausch treten können.

André Könnecke, Leiter des Eigenbetriebs Bauwirtschaftshof der Stadt Aschersleben, Geschäftsführer 

Das Jahr 2020 war für uns alle ein außergewöhnliches Jahr, mit Einschränkungen im Privaten wie im Beruflichen. Grabberatung mit Maske, Angehörigen nicht per Händedruck Mitgefühl ausdrücken zu dürfen, Trauerfeiern in einem Kreis, der nicht mehr alle engen Angehörigen zulässt. Was für eine Zeit! Aber es gibt auch besondere und vor allem entschleunigte Momente mit mehr Zeit für Kontakte im kleinsten Kreis der Freunde, dem Lesen und einem Spaziergang. Ich wünsche uns allen einen hoffnungsvollen Start in 2021.

Evelin Schlag, Sachgebietsleiterin im Garten- und Friedhofsamt Erfurt, Schriftführerin 

Waren es zu Jahresbeginn noch die großen oder kleinen wichtigen Projekte, die auf der Agenda standen, musste der Fokus sehr schnell auf Grundlegendes gelenkt werden. Der eigentliche, fast schon rituelle Ablauf einer elementar wichtigen Trauerzeremonie wurde von heute auf morgen in Frage gestellt. Es mussten neu Möglichkeiten gefunden werden, sowohl den Hinterbliebenen als auch dem Infektionsschutz gerecht zu werden. Dies war für uns alle eine wirkliche Herausforderung. Man spürte aber auch, auf wen man sich verlassen konnte und was wichtig ist. Bei mir persönlich hat die Löschung lange im Voraus eingetragener Termine im Kalender auch positive Spuren hinterlassen. Ich wünsche mir, dass wir das neue Jahr mit gesundem Menschenverstand, der nötigen Vernunft und Menschlichkeit meistern werden. Verbunden mit der Hoffnung, dass wir uns alle gesund den Herausforderungen stellen können.

Michael Müller, Friedhofsleiter in der Stadt Weinheim, Beisitzer