Der grüne Wert unserer Friedhofskultur

Der Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands (VFD e. V.)

als Interessenvertreter aller Friedhöfe sieht seine vordringliche Aufgabe darin, sich für den Erhalt der Friedhöfe einzusetzen und dafür zu sorgen, dass unsere Friedhöfe auch in Zukunft für alle Schichten der Bevölkerung bezahlbar bleiben.

Der grüne Wert unserer Friedhofskultur

Die Primärfunktion des Friedhofs ist die Durchführung von Bestattungen unter Berücksichtigung kultureller und religiöser Aspekte.

Daneben erfüllen Friedhöfe aufgrund ihrer gärtnerischen Gestaltung auch allgemeine Grünflächenfunktionen neben den Aufgaben des Denkmalschutzes. Jede Person hat das Recht, die Friedhöfe als Ort der Ruhe und Besinnung zum Zwecke einer der Würde des Ortes entsprechenden Erholung aufzusuchen. Der Friedhof nimmt also neben der prägenden Funktion und dem Ort einer würdigen Bestattung der Verstorbenen insbesondere in sozialer und ökologischer Hinsicht die Funktion einer Grünfläche ein. Häufig ist der Friedhof auch Teil eines größeren städtischen Ökoverbundsystems.

Der Anteil grüner Strukturelemente insbesondere im städtischen Raum lässt Friedhofe als „grüne Inseln“ erscheinen.
Sie bieten aufgrund ihrer unterschiedlichen Struktur vielfältige Lebensorte für Flora und Fauna. Friedhöfe können somit eine wichtige Rolle beim Erhalt von Lebensräumen und Biodiversität spielen, da sie durch ihre Nutzung zumindest mittelfristig als Grünflächen gesichert sind. Durch die veränderte Bestattungskultur hin zu kleineren Urnengräbern und mehr „pflegefreien“ Gräbern für die Angehörigen findet eine strukturelle Veränderung der Friedhöfe statt. Dabei entstehen freie Flächen, die in ihrer Gesamtheit als Überhangflächen definiert werden, da sie scheinbar aufgrund veränderter Nachfrage nicht mehr benötigt werden.

Die bewusst ökologische Bewirtschaftung von Überhangflächen bietet nicht nur die Möglichkeit, der Kosteneinsparung, sondern auch der gezielten Bereitstellung und Weiterentwicklung von Biotopen.

Friedhöfe sind generell ein wichtiger Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere und bilden oft ökologisch wertvolle Inseln im urbanen Raum. Alte Friedhöfe mit alten Baumbeständen gehören zu den artenreichsten städtischen Bebauungstypen (BUND, 2019). Gerade in den Bereichen außerhalb der gepflegten Grabflächen kommt eine Vielzahl an wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen vor, von denen sogar etwa 10 % als seltene oder gefährdete Arten auf der “Roten Liste“ stehen. Für Insekten und insbesondere für Wildbienen bieten sie einen wichtigen Lebensraum. Mitunter kommen in der Stadt 50-90 % der Wildbienenarten einer Region vor. Aufgrund der fortlaufenden Bautätigkeiten wird die Bedeutung von Friedhöfen als Rückzugsgebiet für die Natur wohl in Zukunft noch zunehmen.

Grüne Friedhöfe tragen insbesondere durch Baumbestand und Strukturunterschiede bedeutend zur Frischluftregeneration in Ballungsräumen bei. Daneben wirken sie temperaturausgleichend bei in Zeiten extremer Wetterlagen.

Die aktive Förderung ökologischer Funktionen auf dem Friedhof ist daher im Sinne einer nachhaltigen Nutzung von Friedhofsflächen, aber auch in der Gestaltung einer lebenswerten und klimaschutzorientierten Umwelt.

Die bisher verwendeten Bewertungsverfahren, wie etwa durch den sogenannten Grünpolitischen Wert, kompensieren nur einen geringen Anteil der Aufwendungen, die ein Friedhof im Rahmen der seiner gesellschaftsrelevanten Funktionen erbringt.

Für die Erhaltung und Förderung des Grünen Wertes der Friedhöfe fordert der VFD:

  • Der Grüne Wert für die Gemeinschaft darf nicht gebührenfinanziert werden.
  • Kommunale und kirchliche Friedhöfe müssen gleichermaßen von einer Kompensation für gesellschaftsrelevante Funktionen profitieren.
  • Es muss eine nachvollziehbaren Bewertungsgrundlage aller gesellschaftsrelevanten Funktionen des Friedhofs durchgeführt werden.

Dr. Michael C. Albrecht für den Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands

Download: Stellungnahme Der grüne Wert unserer Friedhofskultur