CHARTA Friedhofskultur unterzeichnet

Kassel. Die wichtigsten Institutionen und Verbände im deutschen Friedhofswesen haben ein deutliches Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Friedhöfe gesetzt: Am Donnerstag unterzeichneten sie gemeinsam die „Charta Friedhofskultur“. Das Manifest formuliert den Wert der Friedhofskultur für die Menschen und unsere Gesellschaft. Die Charta definiert zugleich ein gemeinsames Begriffsverständnis für den öffentlichen Diskurs zum Thema Friedhofskultur und zeigt den großen Facettenreichtum dieses Kulturguts auf.

„Jeder Mensch hat das Recht auf eine würdevolle Bestattung auf dem Friedhof und ein anerkennendes Gedenken“, lautet der erste der elf Leitsätze der Charta, die alle relevanten Aspekte der Friedhofskultur in leicht verständlichen Sätzen umreißt. Dabei geht es nicht nur um zutiefst menschliche Fragestellungen rund um Trauern und Gedenken. Die Charta betont auch die kulturellen, sozialen, historischen oder integrativen Aspekte der Friedhofskultur. Unterstrichen wird unter anderem auch grüne Wert der Friedhöfe sowie die Mahnung zu Frieden und Völkerverständigung, die von Grabstätten und Denkmälern für die Opfer von Krieg ausgeht. 

Im März letzten Jahres war die Friedhofskultur in Deutschland in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Im letzten Satz betont die Charta deshalb die gesellschaftliche Bedeutung für dieses Kulturgut: „Die Friedhofskultur in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe im Sinne der UNESCO zu erhalten, an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten und weiterzuentwickeln, ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.“

An der am Donnerstag im Museum für Sepulkralkultur in Kassel unterzeichneten Charta hatten die beteiligten Verbände und Institutionen unter wissenschaftlicher Begleitung über ein Jahr an den Formulierungen gearbeitet und in intensiven Abstimmungsprozessen die Charta auf den Weg gebracht. Mit dabei waren: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Bund deutscher Friedhofsgärtner, Bundesverband Deutscher Bestatter, Bundesverband Deutscher Steinmetze, Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur, Stiftung Deutsche Bestattungskultur, Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands, Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Eine wesentliche Zielsetzung der CHARTA Friedhofskultur ist, den Wert der Friedhöfe für die Menschen und unsere Gesellschaft gemeinschaftlich zu betonen. Deshalb sind jetzt alle Kräfte im Friedhofswesen und unterstützende Institutionen sowie alle Städte und Gemeinden als verantwortliche Träger dieses Kulturguts dazu aufgerufen, der CHARTA Friedhofskultur beizutreten. Weiterführende Informationen auch zum Beitritt finden sich unter www.charta-friedhofskultur.de.

CHARTA Friedhofskultur

  • Jeder Mensch hat das Recht auf eine würdevolle Bestattung auf dem Friedhof und ein anerkennendes Gedenken.
  • Die Friedhofskultur in Deutschland ist ein unverzichtbarer Teil unseres gesellschaftlichen Lebens.
  • Unsere gewachsenen Trauerrituale – mit der Beisetzung auf dem Friedhof als zentralem Handlungsrahmen – sichern in zeitgerechter Form den würdigen Abschied und helfen Menschen, Tod und Trauer zu verarbeiten.
  • Als Orte der Begegnung und des gemeinsamen Erinnerns sind Friedhöfe unersetzbare soziale Räume, die allen zugänglich sind.
  • Friedhöfe sind identitätsstiftende Kulturräume unserer pluralistischen Gesellschaft mit großer verbindender Kraft.
  • Friedhöfe bieten Menschen wertvollen Raum, ihren Glauben zu leben und zu gestalten.
  • Als Grünanlagen tragen Friedhöfe aktiv zum Klima- und Naturschutz bei und sind Orte der Biodiversität.
  • Gräber als kleine Gärten der Erinnerung mit einem Gedenkstein zu gestalten, ist eine einzigartige Kulturform, die Wertschätzung gegenüber Verstorbenen ausdrückt und Trauer durch aktives Handeln unterstützt.
  • Als sich selbst stets fortschreibende Geschichtsbücher sind Friedhöfe von hoher historischer Bedeutung und denkmalgerecht zu pflegen.
  • Grabstätten und Denkmäler für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind tragende Säulen der Erinnerungskultur, die zum Frieden mahnen sowie zur Verständigung zwischen Nationen und Kulturen beitragen.
  • Die Friedhofskultur in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe im Sinne der UNESCO zu erhalten, an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten und weiterzuentwickeln, ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Presse-Mitteilung, Kassel, 18.11.2021