Die Preisträger im Wettbewerb
„Neue Wege auf dem Friedhof!“ stehen fest

Am 04. Mai 2017 fand in Berlin in feierlichem Rahmen die Preisverleihung des bundesweiten Wettbewerbs „Neue Wege auf dem Friedhof!“ statt. Die Sieger stehen fest:

Eine Arbeitsgemeinschaft aus Berlin gewinnt ebenfalls einen ersten Preis für die Neugestaltung eines evangelischen Friedhofs. (BIV Steinmetze)

Die Arbeitsgemeinschaft Kirchhofverwaltung Zwölf-Apostel-Kirchgemeinde Berlin, Agnes Hofmeister, Dipl.-Ing. Landschaftsplanung und der Gestaltungskreis „Zwischenraum“ erhält für das Projekt „Neugestaltung Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin“ einen mit 4.000 € dotierten 1. Preis für die kreative und bürgernahe Neugestaltung des Friedhofs unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse von Trauernden. In der Laudatio von Dr. Martin Venne, Jurymitglied aus Kassel heißt es: „Der Preisträger hat uns mit der Konzeption und der Realisierung eines hochwertig gestalteten Gräberfelds überzeugt. Das denkmalgeschützte Alte bildet den räumlichen Rahmen für das Neue, das Neue füllt die Lücke im Bestand ohne fremd zu wirken.“ Ganz besonders hob er hervor, dass als Marketingmedium ein professioneller, emotional ansprechender Film über das Gräberfeld entstanden ist, wie es bisher noch nicht üblich ist im Marketing für Friedhöfe.

Hamburg gewinnt einen ersten Preis für das „Hamburger Grab“. (BIV Steinmetze)

Die Arbeitsgemeinschaft Hamburger Friedhöfe AöR, Landesinnung der Bildhauer- und Steinmetzbetriebe Hamburg, Friedhofsgärtner Genossenschaft Hamburg eG und Bestatterinnung Hamburg erhielt für das Projekt „Hamburger Grab auf dem Friedhof Ohlsdorf“ ebenfalls einen mit 4.000 € dotierten 1. Preis für den besonderen regionalen Bezug im Rahmen eines neuen Grabkonzeptes unter Berücksichtigung der Heimatverbundenheit der Hamburger Bevölkerung. In ihrer Laudatio sagte Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bundes deutscher Friedhofsgärtner und Jurymitglied:

„Die Zusammenarbeit zwischen Friedhofsverwaltung und aller am Friedhof tätigen Gewerke (Friedhofsgärtner, Steinmetze und Bestatter) wurde von der Jury besonders positiv gewertet. Das Angebot sieht sowohl Körper- und Urnenbestattungen vor, macht aber keine Differenzierung der Grabstättengebühr. Hiermit soll der Faktor Preis für die Erdbestattung weniger relevant werden – dieser Ansatz begeisterte die Jury. Als besonders einfallsreich wurde die Zusatzleistung eines „Gedenkziegels“ in Form des Stadtwappens bewertet. Dieses wird als „Identitätsstiftendes Element“ besonders dem Lokalstolz der Bevölkerung und dem Zeitgeist der Regionalität gerecht.

Hagen erhält den Sonderpreis für eine gelungene Integration der Friedhöfe in das städtische Leben. (BIV Steinmetze)

Die Arbeitsgemeinschaft Steinbildhauerei Vincent, Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR, Stadtverband Hagen im Bestatterverband NRW e. V., Agentur Baumeister, Architekturbüro Heinze erhielt für das Projekt „big five“ einen mit 2.000 € dotierten Sonderpreis für die kreative und zukunftsfähige Idee zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Friedhöfe in Hagen. Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur und Jurymitglied begründete die Entscheidung der Jury in seiner Laudatio wie folgt: „Friedhöfe sind eben viel mehr als Friedhofssatzungen, Friedhofsgebühren, Friedhofsverwaltungen, Orte der Toten oder lukratives Bauland. So sehen es auch die Verantwortlichen des Beitrages aus Hagen. Denn sie sehen die Vielseitigkeit, Vielschichtigkeit, Lebendigkeit in unserer Gesellschaft mit den vielen Konfessionen, Nationalitäten und Sozialstrukturen und haben die Notwendigkeit erkannt, dass sich dieses auch in unserer Friedhofskultur wiederspiegeln muss: eben vielseitige, vielschichtige, lebendige Orte – also Friedhöfe mittendrin im
Leben.“ Und weiter heißt es: „Vor allem gehört Mut dazu, mit dem Friedhof Werbung für die Besonderheit einer Stadt zu machen, weil man erkannt hat, dass die Friedhöfe ganz besondere Orte innerhalb der Stadt sind. Wie heißt es so schön schon im zweiten Absatz des Begleitmaterials dieses Beitrags: ‚Und weil die Stadt Hagen so ist wie sie ist, sind auch die kommunalen Friedhöfe so wie sie sind: vielseitig, vielschichtig, lebendig – also mittendrin im Leben.‘“

Nominiert waren weiterhin Projekte aus Aschersleben, Nürnberg und Essen. (BIV Steinmetze)

Zu den insgesamt sechs nominierten Plätzen gehörten auch:

Die Arbeitsgemeinschaft Friedhofsverwaltung Aschersleben, Steinmetzbetrieb Axel Voigt, Katharina Baumgart, Freie Landschaftsarchitektin, BgA des Bauwirtschaftshofes Aschersleben mit dem Projekt „Umgestaltung des Zentralfriedhofs Aschersleben – Anlage eines Erinnerungsgartens“ für die Schaffung moderner Grabgestaltungsformen auf einem historischen Friedhofsareal.

Die Arbeitsgemeinschaft Weber und Hermann Metallgestaltung GbR, Friedhofsverwaltung Nürnberg, Bernhard Hirschbeck, Steinmetz- und Steinbildhauer, Ambiente Blumen Simkovic mit dem Projekt „Gemeinschaftsgrabanlage mit Brunnen“ für eine innovativ gestaltete Gemeinschaftsgrabanlage, welche die individuelle Trauerarbeit der Hinterbliebenen an Sarg- und Urnengräbern ermöglicht.

Die Arbeitsgemeinschaft Friedhofsverwaltung Stadt Essen, Grün und Gruga, Friedhofsgärtnerei V. Meyer, Kalenborn KG – Natursteinbetriebe mit dem Projekt „Leben und Lernen auf dem Friedhof“ für ein innovatives Konzept zur Mehrfachnutzung von Friedhöfen als Ort der Erinnerung und des Natur-Erlebens.

Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und unter der Schirmherrschaft von Herrn Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes haben der Zentralverband der Deutschen Naturwerkstein-Wirtschaft e. V. (ZDNW) mit dem Bundesverband Deutscher Steinmetze (BIV) und dem Deutschen Naturwerksteinverband (DNV) sowie der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im ZVG e. V. den bundesweiten Wettbewerb erstmalig 2016/2017 initiiert.

Kooperationspartner sind der Verband der Friedhofsverwalter Deutschland (VFD) und der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK). Die Fachjury setzte sich zusammen aus dem stellvertretenden Bundesinnungsmeister des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks Hermann Rudolph, der Vorsitzenden des Bundes deutscher Friedhofsgärtner Birgit Ehlers-Ascherfeld, dem Landschafts- und Friedhofsplaner Dr. Martin Venne, dem AFD-Vorsitzenden Matthäus Vogel, dem DNV-Vorstandsmitglied Josef Kusser, dem VFFK-Vorsitzenden Andreas Mäsing und dem stellvertretenden VFD-Vorsitzenden Herbert Schneider.

Ziel des Gemeinschaftsprojekts war es, innovative und zukunftsfähige Ideen für die Gestaltung und Betreibung bürgernaher Friedhöfe zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Insgesamt sind 29 Einreichungen eingegangen – eine erfreuliche Zahl an kreativen Ideen, die zeigt, dass das Thema bundesweit bewegt. Bewerben konnten sich nur Arbeitsgemeinschaften, die mindestens aus der Friedhofsverwaltung und zwei Gewerken bestehen. Hintergrund dieser Forderung war, dass noch
allzu oft Einzelkämpfer aktiv sind und letztendlich an Hürden scheitern, die es bei einem Kooperationsprojekt nicht geben würde.

Die Jury zeigte sich durchaus positiv von vielen Einreichungen überrascht, auch wenn man in der Preisverleihung das Signal aussandte, dass wirkliche Innovationen, also noch nicht dagewesene Ideen, nur sehr rar waren. Es war jedoch anzuerkennen, dass sich alle Bewerber ernsthafte und realistische Gedanken gemacht haben, die vor allem eines ins Zentrum der Überlegungen stellten: die lokalen Möglichkeiten und Erfordernisse. Hermann Rudolph, der für die Jury auf der Preisverleihung sprach, machte deutlich, dass man den Wettbewerb in frühestens zwei Jahren fortführen möchte, dann aber unter neuen Vorzeichen und Vorgaben, um vielleicht doch noch mehr neue, mutige und kreative Gedanken und Ideen zu bekommen.

Jetzt gelte es jedoch, erst einmal alle diesjährigen Projekte anzuerkennen. Er dankte allen Teilnehmern für ihre Mühe und Ernsthaftigkeit, mit der sie sich am Wettbewerb beteiligt haben und ermutigte sie, ihre Projektideen umzusetzen oder weiter zu verfolgen, auch wenn sie dieses Mal keinen Preis gewonnen hätten. Letztendlich ist jede Idee vor Ort ein Gewinner, wenn das Projekt mit Leben erfüllt und vor allem von der Bevölkerung angenommen wird.

Alle Wettbewerbsbeiträge gibt es in einer Kurzpräsentation auf der Startseite von www.bivsteinmetz.de.